Nur knapp 3,54 Meter lang und schon 27.000 Euro teuer. Der kleinste Elektro-Volkswagen bringt ambitionierte Preisvorstellungen mit, doch was erhält man für sein Geld?

Wir haben den VW e-Up! ein Wochenende lang auf Herz und Nieren geprüft. Hier unser ausführliches Review zum VW e-Up!.  


Viel gibt es von Außen nicht zu entdecken

Bei nur 3,54 Meter gibt es von außen nicht allzu viel zu sehen und die Unterschiede zu den koventionell angetriebenen Brüdern sind auch nicht allzu groß. Das c-förmige LED-Tagfahrlicht sowie die blaue Dekorleiste, die sich im Frontgrill sowie wie auf der Heckklappe finden lässt, verraten, dass ein Elektroantrieb unter der kleinen Motorhaube verbaut ist. Warum das Tagfahrlicht in LED und die Frontscheinwerfer nur in Halogen ausgeführt sind, wollen wir nicht so recht verstehen. LED-Scheinwerfer schonen den Stromverbrauch, fördern die Sicherheit und sehen dazu meist unwiderstehlich aus. Die jetzige Gestaltung wirkt unstimmig und billig. Genauso wie die nur ausstellbaren hinteren Fenster.

Das ansonsten stimmige Gesamtdesign überzeugt auch nach über sechs Jahren noch, was sicherlich auch dem Facelift von 2016 zu verdanken ist.

VW e-Up! in Blackpearl

Innere Schönheit kann so einfach sein

Der Blick des Fahrers fällt sofort auf das bekannte VW-Leder-Lenkrad sowie auf die klare Cockpitgestaltung mit dem breiten, silbernen Querstreifen, der sich quer von Tür zu Tür spannt. Dieser lässt sich leider nicht individuell farblich anpassen.

Das gestochen scharfe 5″-Display verführt einen zum Drauftippen, doch es passiert nichts. Die Tasten darunter verraten auch, warum: hier wird noch eine konventionelle Lösung verbaut. Über dem Display sitzt die Einstellung für die Klimaautomatik sowie die Tasten für die Sitzheizung. Sobald der Eco+-Modus aktiviert wird, verschwindet die Temperaturanzeige im kleinen Display. Das sollte man wissen, sonst denkt man, dass die Anzeige kaputt ist.

Ein Navi kann im Übrigen nicht dazu bestellt werden, hier setzt VW darauf, dass die obere integrierte  Halterung für das Smartphone kräftig genutzt wird. Leider war die Halterung beim unserem Test nicht mit an Bord, sodass wir diese nicht ausprobieren konnten.

Insgesamt ist die Bedienung schnell zu verstehen und sieht dazu schick aus. Ebenso der blaue Leuchtstreifen, der unter dem silbernen Streifen in der Dunkelheit dezent leuchtet. Die Cockpit-Gestaltung glänzt mit innerer Schönheit bei Tag als auch bei Nacht.

Die Platzverhältnisse sind ordentlich, angesichts der Kürze des Fahrzeugs. Vorne brauchen sich auch Menschen über 1,90 Meter nicht beschweren und kommen komfortabel unter. Die Vordersitze haben eine feste Kopfstütze, was sie nicht einstellbar macht. Bei der hinteren Sitzbank sieht der Sitzkomfort schon anders aus. Da stoßen Knie und Kopf schon mal schnell an. Die Sitzauflage ist zu kurz und die Bank ist dazu auch noch zu niedrig montiert. Für lange Strecken und große Menschen eindeutig zu unbequem. Für Kinder, Einkauf oder eine schnelle Mitnahme aber vollkommen in Ordnung.

Das offizielle Kofferraumvolumen beträgt 250 Liter bis 923 Liter. Der Beifahrersitz kann nicht umgelegt werden, wie zum Beispiel beim smart forfour.

Das Multi-Media-System kann bequem die Smartphone-App steuern

Endlich auf die Straße

Ein Elektroauto ist natürlich auch zum Fahren da. Also ab auf die Straße. Das Fahrzeug ist durch die tiefliegende Batterie natürlich schwerer als seine Geschwister (Leergewicht 1.229 kg). Dies kommt den Fahreigenschaften aber zu Gute. Der kleine Flitzer liegt satt auf der Straße und bringt einen guten Federungskomfort mit sich. Es macht großen Spaß, sich durch den Großstadtdschungel zu wuseln. Und selbst bei Kopfsteinpflaster gibt er sich keinen größeren Peinlichkeiten hin.

Nur die Leistung des Elektromotors bremst wieder ein wenig den Spaß ein. Nur gute 60 kW (82 PS) sorgen für Vortrieb. Sobald man schneller als 70 km/h fährt, wird es langsam zäh. Hier wären wohl 75 kW besser untergebracht und es gäbe auch damit noch genug Abstand zum größeren e-Golf mit 100 kW.

Der knapp 19 kWh große Akku sorgt für eine praxisnahe Reichweite von circa 120 bis 160 Kilometer. Im Winter können es aber auch unter 100 km sein. Den Verbrauch gibt VW mit 11,7 kWh pro 100 km an.

Am Automatikwahlhebel können verschiedene Rekuperationsstufen eingestellt werden. Bei der stärksten Stufe entsteht fast ein One-Pedal-Feeling. Die Einstellung der Stufen ist am Anfang nur schwer zu verstehen und erfordert erstmal Übung. Wirklich nutzerfreundlich wirkt das System nicht, obwohl es einen wichtigen Beitrag zur Reichweite leistet.

An einer Haushaltssteckdose braucht der kleine VW ungefähr 7 bis 10 Stunden, um wieder vollgeladen starten zu können. Mit einer festinstallierten Wallbox können die Zeiten auf 4 bis 6 Stunden reduziert werden. Mit der aufpreispflichtigen CCS-Lademöglichkeit stehen nach circa 40 Minuten wieder rund 80 Prozent auf dem Display.

Der VW e-Up! düst durch den Wald

die Kosten im Überblick

Die Basisausstattung kostet ab 26.900 Euro. Zur direkten Konkurrenz aus dem Hause smart bedeutet dies einen satten Aufpreis von 4.300 Euro. Selbst wenn man sich die gehobenere Version Prime und dazu das „Cool & Media-Paket“ bestellt, bleiben immer noch eine Differenz von über 1.000 Euro.

Zu diesen Konditionen erwartet man ein vollausgestattet Fahrzeug, was nur zu Teilen stimmt. Die Serienausstattung umfasst bereits das Lederlenkrad, das Radiosystem „Composition Phone“, Klimaautomatik, Lichtautomatik, automatische Fensterheber vorne sowie die Alu-Felgen.

Ein digitaler Radioempfang, das Multifunktionslenkrad, eine Rückfahrkamera, eine Einparkhilfe hinten, das Schiebedach … all diese Annehmlichkeiten kosten nochmal einen Aufpreis. So knackt der VW e-Up! bereits die 30.000-Euro-Hürde. Ein wirklicher stolzer Preis.

Der VW e-Up! in Gänze

Klein aber auch fein?

Die Frage können wir wohl mit einem „Ja“ beantworten. Sowohl innen als auch außen überzeugt uns der kleine elektrische VW, auch wenn er sich ein paar Schwächen im Detail leistet. Seine Basis kann er nun mal nicht verstecken.

Die größte Enttäuschung ist der viel zu teure Kaufpreis in Verbindung mit der geringen Reichweite. Selbst ein Up! GTI ist an die 10.000 Euro günstiger. Der Aufpreis zur Basis beträgt sogar 16.000 Euro.

Die elektrische Variante steht somit eigentlich im Schatten und das völlig zu Unrecht. Gute 6.000 Euro weniger und es würden sich deutlich mehr Käufer finden. Nur so kann man die Elektromobilität auf die Straße bringen.

So bleibt der VW e-Up! nur einen Nischenmodell für eine kleine, bestimmte Zielgruppe im urbanen Gebiet.

Der VW e-Up! macht sich in der Stadt super

autor falk schönberg


VW e-Up! | Klein aber auch fein?
Nur knapp 3,54 Meter lang und schon 27.000 Euro teuer. Der kleinste Elektro-Volkswagen bringt ambitionierte Preisvorstellungen mit, doch was erhält man für sein Geld? Wir haben den VW e-Up! ein Wochenende lang auf Herz und Nieren geprüft. Hier unser ausführliches Review zum VW e-Up!.

Der VW e-Up! wurde zu Testzwecken ohne Vorgaben von der Volkswagen Automobile Tegel GmbH zur Verfügung gestellt. Der Beitrag und das Video beinhalten keine bezahlte Produktplatzierung.

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