Nun endlich hat Tesla den Konfigurator für das Model 3 der Öffentlichkeit freigeschaltet. Die günstigeren Varianten sind zwar noch nicht zu sehen, doch im Preisvergleich gab es eine überraschende Erkenntnis: Das Tesla Model 3 ist günstigerals eine vergleichbare Mercedes C-Klasse. Auf in den Fakten-Check … 


Die ungefähren Preise für die Langstrecken-Variante bzw. für die Performance-Variante sind schon vor einigen Wochen durchgesickert. Nun wissen wir es genau: der derzeitige Einstieg in die Model-3-Welt beginnt bei genau 55.400 Euro.  Für die Performance-Variante werden zusätzlich ein bisschen mehr als 10.000 Euro fällig.

Die Langstrecken-Variante überzeugt mit 560 km Reichweite nach WLTP, 233 km/h Höchstgeschwindigkeit und braucht schlanke 4,8 Sekunden für den Sprint auf die magischen 100 km/h. Dazu kommt der Allradantrieb und eine völlig ausreichende Serienausstattung. Wie zum Beispiel: der riesige 15-Zoll-Touchscreen, das Premium-Audiosystem, das Glasdach, die Notbremsautomatik und vieles mehr.

Viele Auswahlmöglichkeiten bei den kleinen Extras gibt es einfach nicht. Ein bisschen mehr Farbe (Schwarz ist immer inklusive) im grauen Verkehrsalltag kostet zwischen 1.600 Euro und 2.600 Euro Aufpreis.  Schickere Felgen kosten 1.600 Euro. Für den schwarz-weißen Innenraum legt ihr 1.050 Euro zusätzlich auf den Tisch. Die letzte Option heißt verbesserte Autopilot-Funktionalität für 5.200 Euro. So schlank kann eine Aufpreisliste aussehen. Mit den Bearbeitungsgebühren in Höhe von 980,00 Euro kostet das Model 3 vollausgestattet genau 66.830 €.

Tesla Model 3 Cockpit

Der Preisvergleich mit einem Verbrenner

Das elektrisch angetriebene Tesla Model 3 ist ungefähr vergleichbar mit den Benziner-Modellen Mercedes-Benz C-Klasse, Audi A4 oder auch einem BMW 3er. Audi und BMW bieten derzeit keine Motorvariante an, die für einen Vergleich mit Tesla geeignet wäre. Audi hat Probleme mit der Umstellung zu WLTP und bei BMW ist der 3er erst kürzlich erschienen. Größere Motorvarianten kommen wie gewohnt später. Also muss die Mercedes-Benz C-Klasse zum Preisvergleich antreten.

Das Model 3 hat in der Langstrecken-Variante ungefähr 350 PS und beschleunigt, wie schon erwähnt, in 4,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Durch das ständig vorhandene und hohe Drehmoment fühlen sich Elektroautos auf der Straße immer kräftiger an als auf dem Papier. Daher scheidet für uns die Motorvariante C400 4Matic aus. Mit nur guten 333 PS stellt er keinen adäquate Vergleichsmöglichkeit dar. Daher kommt eigentlich nur der Mercedes-Benz-AMG C43 4Matic (Benziner) als Vergleichsfahrzeug in Frage. Der C43 hat 390 PS und 100 km/h sind in guten 4,7 Sekunden erreicht. Bei der Höchstgeschwindigkeit trumpft der Mercedes-Benz auf und bietet gute 17 km/h mehr als der Tesla (250 km/h gegenüber 233 km/h).

Nun aber zu den Preisen. Wie oben bereits beschrieben, beginnt der Einstiegspreis für das Model 3 bei 55.400 Euro. Der Mercedes-Benz-AMG C43 4Matic beginnt bei 61.850,25 Euro. Dabei kann man den AMG noch deutlich im Preis steigern, wenn man sich nur ein paar Extras gönnt. Das Model 3 hingegen ist schon fast komplett ausgestattet. Ein detaillierter Einstieg in die Preisliste von Mercedes-Benz würde den Rahmen sprengen, daher nur zwei Beispiele wie das High-End-Infotainment-Paket für 2.915,50 Euro sowie das High-End-Komfort-Paket für 2.397,85 Euro. Beides sind Ausstattungen, die im Tesla schon ähnlich im Grundpreis inkludiert sind.

Der Preisunterschied im Grundpreis liegt also schon bei satten 6.450,25 Euro. Ein Elektroauto ist damit günstiger als ein vergleichbarer Verbrenner (mit fast denselben technischen Daten). Beim C400 4Matic (der Vollständigkeit halber) liegt der Einstiegspreis bei 53.776,10 Euro, also nur knapp 1.623,90 Euro günstiger, wobei auch hier noch einige Extras fehlen.

Aber ein Elektroauto hat doch viel weniger Reichweite! Nun ja, so ganz stimmt das nicht mehr. Das Model 3 hat eine Reichweite von ungefähr 560 km (nach WLTP) und der Mercedes-Benz von knapp 725 km mit Normverbrauch (66 Liter durch 9,1 Verbrauch x 100 km). Macht einen Unterschied von nur noch 165 Kilometer. In der Praxis wird dieser Unterschied kaum auffallen.

Fazit

Nun endlich steht Tesla mit dem Model 3 auch in Deutschland in den Startlöchern. Die derzeitigen Preise für die Premium-Ausführungen sind für die bezahlbare Elektromobilität sicherlich noch zu hoch. Doch mit über 500 km Reichweite ist dies eine mächtige Ansage gegenüber der kommenden Konkurrenz der Elektro-SUVs von Audi und Mercedes-Benz. Es bleibt weiterhin abzuwarten, wo sich die „normalen“ Model-3-Varianten mit wahrscheinlich weniger Reichweite einsortieren.

Der Preisvergleich mit einem Verbrenner zeigt, dass sich ein Elektroauto nicht mehr verstecken muss. In unserem Vergleich ist der Benziner in so ziemlich allen Lagen teurer, und selbst mit dem kleineren Benzin-Motor kann der Verbrenner nur schwer mithalten. Durch weniger Wartungs- und Kraftstoffkosten sticht das Elektroauto einen Verbrenner wieder aus, auch wenn der Grundpreis für einen Benziner leicht geringer ist. Dabei darf man aber nicht vergessen, dass sowohl der C43 als auch das Model 3 in den aufgezeigten Varianten für die meisten Normalverdiener nicht bezahlbar sind.

Ein ausführliche Vorstellung des Tesla Model 3 findet ihr hier.