5.3
Score

Pros

  • Tolles One-Pedal-Feeling
  • Assistenzsysteme verfügbar
  • Viel Platz

Cons

  • Viel Hartkunststoff verbaut
  • Überall piept es
  • Geringes Preis-Reichweiten-Verhältnis
Wohlfühlfaktor
5
Preis-Reichweiten-Verhältnis
4
Fahrkomfort und - Leistung
7

Die erste Generation des Nissan Leaf wird schon seit 2010 gebaut und gehört zu einem der meistverkauften Elektroautos auf der Welt. Seit dem Jahr 2018 ist die zweite Generation in Deutschland erhältlich. Dennoch ist der Leaf eher ein seltenes Erscheinungsbild auf unseren Straßen. Wird der kompakte Nissan unterschätzt? Zeit für ein ausführliches Review …


Eine Info vorweg…

Zum neuen Modelljahr 2019 hat Nissan dem Leaf ein kleines Update spendiert – wir haben die Vorgängergeneration getestet. Es gibt auch endlich ein neues 8 Zoll Display. Durch eine veränderte und höherwertigere Grundausstattung beginnt der neue Preis bei 36.800,00 €.

Der erste Eindruck

Nissan Leaf (2018)

An der ersten Generation des Leaf haben sich die Geister geschieden. Das Außendesign hat einem gefallen oder nicht. Eine Meinung dazwischen gab es nicht. Mit der zweiten Generation hat Nissan das Design deutlich massentauglicher gestaltet und trotzdem noch viel Eigenständigkeit übrig gelassen. Das Design wirkt frisch und macht einen ersten guten Eindruck.

Der Innenraum

Beim Einsteigen fallen einem gleich die bequemen Vordersitze auf und das aufgeräumte Cockpit auf. Der 7 Zoll große Bildschirm sitzt gut erreichbar in der Mitte, kann aber leider nicht im Detail zu überzeugen. Viele Symbole sind zu klein und die Pixeldichte ist zu gering. Da ist die Konkurrenz teilweise schon deutlich weiter.

Das Cockpit

Die Einstellungen der Lüftung sitzen ein Stück nach hinten versetzt unter dem Display. Das Design ist verspielt und die Qualität der Tasten sind nicht besonders hochwertig. Außerdem hat Nissan so ziemlich überall Klavierlack verbaut, sodass im Innenraum viele Fingerabdrücke in der Sonne glänzen und es nur eine Frage der Zeit ist bis die entsprechenden Flächen zerkratzt sind. Die Auswahl der restlichen Kunststoffarten war auch nicht besonders glücklich. Das hier und da verwendete Leder rettet den Qualitätseindruck jedoch ein Stück weit.

Wenn die hinteren Sitze nach vorne umgeklappt werden, ergibt sich leider kein ebener Laderaum. Zusätzlich ist die hintere Sitzbank ein Stück zu hoch montiert – somit sitzen größere Erwachsene nicht ganz so bequem.

Schade, denn ansonsten fühlen wir uns auf der vorderen Reihe gut untergebracht.

Nun aber endlich auf los auf die Straße

Die Stärken des Nissan Leaf liegen jedoch ganz woanders. Die 110 kW (entspricht etwa 150 PS) lassen den kompakten E-Flitzer ordentlich los surren, auch wenn die 320 Nm die Vorderräder beim Anfahren deutlich überfordern. Die Abstimmung der Federung und der Lenkung liegen zwischen Komfort und Sportlichkeit. Für den täglichen Alltag perfekt.

e-Padel-Schalter

Das sogenannte „e-Pedal“ ermöglich ein One-Pedal-Feeling (ähnlich dem BMW i3(s)). Das bedeutet nichts anderes, als dass man zum Fahren eigentlich nur noch das Fahrpedal benötigt. Sobald man das Fahrpedal los lässt, fängt das Fahrzeug entsprechend an zu rekuperieren. Dies funktioniert bis zum Stillstand und mit ein bisschen Übung (bei uns hat es ja 20-30 Minuten gedauert) braucht man die Bremse gar nicht mehr (außer in Gefahrensituationen). Dies führt zu einem neuen und entspannten Fahrgefühl, insbesondere im gedrängten Großstadtdschungel. Das System lässt sich in der Mittelkonsole bequem an- und ausschalten.

ProPilot-Taste

Ein weiteres Highlight ist das ProPilot-System. Es verbindet einen radargestützten Tempomaten mit dem Spurhalteassistent und einem automatischen Eingriff in das Lenkrad. So kann der Nissan Leaf fast autonom fahren, solange man die Hände am Lenkrad behält. Das System ist aber noch nicht ganz fehlerfrei und deaktiviert sich öfters mal spontan – gibt dabei aber ein Ton ab, sodass man die Deaktivierung nicht überhöheren kann. Dennoch kann das System das Fahren deutlich entspannen und zeigt eine tolle Entwicklung hin zum autonomen Fahren. In der höchsten Ausbaustufe parkt das Auto auch noch selbstständig ein.

Abgerundet wird der Gesamteindruck von der 360-Grad-Rundumsicht im kleinen Display. So lässt sich der Nissan Leaf auf dem Zentimeter einparken.

Die Reichweite liegt in der Praxis bei 200 km bis 220 km. Je nach Wetter und Fahrweise.

Der Nissan Leaf ist ein gutes Auto, aber …

Nach ein paar Tagen mit dem Leaf schwirrt einen immer dieser Satz durch den Kopf. Der Nissan Leaf ist ein tolles Auto und überzeugt mit vielen Kleinigkeiten, wie dem „e-Pedal“ oder dem ProPilot-System. Es kommt aber auch immer wieder ein Aber. Der Qualitätseindruck, das ständige Gepiepe (was man sicher auch etwas humaner einstellen, wenn nicht sogar ausstellen kann), der nicht ebene Laderaum und so weiter…

Es verwundert dennoch, dass gerade einmal 2.381 Nissan-Leaf-Modelle in 2018 zugelassen worden sind. Wir würden daher schon sagen, dass der Nissan Leaf in Deutschland unterschätzt wird.


Besondere Details

Hier findest du noch einige Details zum Laden und zum Preis-Reichweiten-Verhältnis. Natürlich gibt es hier auch nochmal einen kleinen Überblick über die wichtigsten technischen Daten.

Laden

Der Nissan Leaf kann mit Typ 2 (bis zu 3,3 kW) und mit CHAdeMO (bis zu 50 kW) geladen werden. Beim Schnellladen dauert es nur ungefähr 60 Minuten den Akku von 20 % auf 80 % zu laden.

Die beiden Stecker verstecken sich unter einer kleinen Klappe vor der Motorhaube.

Das Problem #Rapidgate:

Nissan hat in den Leaf kein integriertes Thermomanagement für das Batteriepack verbaut. Während des Schnellladens entsteht Wärme innerhalb der Akkus und eine steuerbare Kühlung ist nicht möglich. Zum Schutz und zur Verlängerung der Lebensdauer der Batteriezellen drosselt die Elektronik die Ladegeschwindkeiten. Somit kann sich der Ladevorgang erheblich verlängern. Es kann also passieren, dass die Ladezeit nicht mehr 60 Minuten beim Schnellladen beträgt sondern mehrere Stunden. Dies ist mehr als ärgerlich.

Erklärungen zum Preis-Reichweiten-Verhältnis (PRV)

Das PRV errechnet sich aus dem Kaufpreis und der angegebenen maximalen Reichweite nach WLTP (Kaufpreis durch WLTP-Reichweite). Als Kaufpreis wird der Basispreis als Bezugsgröße verwendet. Sonderausstattungen werden nicht berücksichtigt. Je kleiner der Wert, desto mehr Reichweite erhält man für sein Geld.

Die Preise für den Leaf starteten 2018 bei 31.950 €. Demgegenüber steht eine WLTP-Reichweite von 270 km. Beim Leaf zahlt man pro Kilometer Reichweite 118,33 €. Damit sortiert sich der Nissan Leaf in’s Mittelfeld ein. Der Hyundai KONA Elektro (39,2 kWh Batterie / WLTP-Reichweite 289 km) hat einen PRV von 119,72 €.

Der derzeitige Spitzenwert (Stand Februar 2019) liegt bei einem PRV von 83,71 Euro (KIA e-niro mit 64 kWh Batterie).

Technische Daten
Die Basics
Elektromotor mit einer Lithium-Ionen-Batterie (40 kWh), Frontantrieb, Leistung 110 kW (150 PS), Drehmoment 320 Nm, Beschleunigung von 0-100 km/h: 7,9 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit 144 km/h
WLTP-Reichweite 270 km
Verbrauch 18,0 bis 20,0 kWh/100
Kaufpreise

2018 ab 31.950,00 €

2019 ab 36.800,00 € (aktuell)