Seit einiger Zeit fahren in Hamburg erstmals Elektroautos des Autonomielevels 4 auf öffentlichen Straßen und in Kürze startet der erste autonome Linienbus in Berlin.


Was sind Autonomielevel und welche gibt es?

In der Autonomie von Fahrzeugen gibt es ingesamt fünf Level. Je höher das Level ist, desto autonomer sind die Autos unterwegs. Folgend eine Übersicht:

Level 1: Assistiertes Fahren
Beispiel: ACC (automatische Distanzregelung)

Level 2: Teilautomatisiertes Fahren
Beispiel: Travel Assist (kombinierte Distanzregelung und Spurführung)

Level 3: Hochautomatisiertes Fahren
Beispiel: Staupilot

Level 4: Vollautomatisiertes Fahren
Beispiel: Parkhauspilot

Level 5: Autonomes Fahren
Beispiel: Vollständig fahrerloser Transport

Autonome E-Autos in Hamburg

Zugegeben, die Elektroautos fahren (noch) nicht Kreuz und Quer durch Hamburg, sondern haben eine vorgegebene Strecke direkt in der Hamburger City. Die Teststrecke weist eine Länge von knapp neun Kilometer auf. Im kommenden Jahr soll diese komplett für das automatisierte und vernetzte Fahren ausgebaut worden sein. Hamburg selbst rüstet hierfür sukzessive Ampelanlagen für die Infrastruktur-zu-Fahrzeug und Fahrzeug-zu-Infrastruktur-Kommunikation auf.

Die Strecke in Hamburg – © Volkswagen AG, 2019

Zum Einsatz kommen umgerüstete e-Golfs. Vor kurzem konnten wir uns ein solches Fahrzeug live in Dresen ansehen. Viel mehr als man von außen sehen konnte, wurde jedoch leider nicht verraten.

Auf der Webseite von Volkswagen selbst, erfährt man jedoch, dass die Elektroautos jeweils über elf Laser-Scanner, sieben Radare und 14 Kameras verfügen. Pro Minute soll das Datenaufkommen bis zu fünf Gigabyte betragen. Die einzelnen Testfahrten erstrecken sich jeweils über mehrere Stunden. Für die erforderliche Rechenleistung sind ungefähr 15 Notebooks im Kofferraum verbaut. Viel bleibt da also vom eigentlichen Stauraum nicht mehr übrig.

Doch was genau kann der e-Golf mit dieser Technik erfassen? Sie sorgt dafür, dass Fußgänger, Fahrradfahrer, andere Autos, Kreuzungen, Vorfahrtsregeln, parkende Fahrzeuge und Fahrstreifenwechsel im fließenden Verkehr auf kürzesten Distanzen und in Millisekunden erfasst werden können, so Volkswagen. Um dies zu gewährleisten arbeitet Volkswagen u.a. mit Deep Learning, neuronalen Netzwerken und Mustererkennungsverfahren.

Aus Sicherheitsgründen sitzt bei den Testfahrten in Hamburg jedoch bis dato durchgehend ein entsprechend geschulter Testfahrer am Lenkrad, der alle Fahrfunktionen fortwährend überprüft und im Notfall eingreifen kann. Zudem werden laut VW alle Datenschutzbestimmungen berücksichtigt.

Autonomer Linienbus in Berlin

Das im Sommer 2017 erstmals vorgestellte Projekt „Stimulate“, startete im März letztens Jahres. Seit 2018 befördert der elektrische Kleinbusse Fahrgäste auf dem Campus der Charité Mitte. Neben der Charité arbeitet das Land Berlin und auch die BVG an dem Projekt, welches diese Woche einen neuen und vor allem großen Schritt vorgestellt hat.

Nicht nur in Hamburg bewegen sich autonome Fahrzeuge, auch in Berlin. Denn nachdem die BVG erst kürzlich die Linie 300 vollelektresiert hat, lässt sich auch elektrische Autonomie im Straßenverkehr direkt ausprobieren. Das für die Hauptstadt mit spannendste Projekt ist wohl „See-Meile“ (worunter nun auch weitere Partner wie Ioki fallen). Der elektrische Kleinbus wird noch im August Fahrgäste befördern und dabei autonom durch die Metropole fahren und das als offizielle Buslinie der BVG.

Ein Blick in den in Tegel eingesetzten Bus. – © Charité CFM Facility Management GmbH, 2019

Hierbei wird auf den Bus EZ10 des französischen Herstellers „EasyMile“ gesetzt, der ebenfalls als Partner im Projekt an Bord ist. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 15 km/h, wobei der Bus in Alt-Tegel erstmal nicht schneller als 12 km/h fahren wird.

Der Shuttle soll vom U-Bahnhof Alt-Tegel bis hin zu den Seeterrassen am Tegeler See fahren und dies als Ringlinie absolvieren. Die Strecke ist insgesamt 1,2 Kilometer lang. Dabei soll der Bus an vier Haltestellen anhalten. Der Haken ist, das bisher leider nur maximal sechs Fahrgäste ein- bzw. aussteigen können. Eine Runde der Strecke dauert 15 Minuten – sprich: Der Bus kommt alle 15 Minuten.

Seit 2018 fahren die Kleinbusse schon auf dem Gelände der Charité.
© Charité CFM Facility Management GmbH, 2019

Was wohl das außergewöhnlichste ist, dass die Fahrt kostenlos angeboten wird, was die sechs Sitzplätze wohl noch begehrenswerter macht. Der Bus fährt an Wochentagen zwischen 7.30 Uhr und 11:00 Uhr und zwischen 15:00 und 18.30 Uhr. Sonnabends und Sonntags ist er pausenlos zwischen 10.30 und 17.30 Uhr unterwegs.

Aus Sicherheitsgründen wird jedoch noch stets Personal an Bord sein.

Doch Berlin ist nicht die erste deutsche Stadt, welche mit autonomen Bussen experimentiert, auch auf Sylt fährt ein autonomer Bus. In Monheim startet auch in Kürze der Betrieb eines autonomen Busses. Seit diesem Jahr fährt zudem auch ein autonomer Linienbus in Wusterhausen. Doch auch wieder in Hamburg soll ein Bus auf einer Linie unterwegs sein.

Wie weit scheint die Forschung zu sein?

Wie weit die Forschung hinter den Kulissen wirklich ist, lässt sich nur äußerst schwer herausfinden. Ein Ansatz ist jedoch eine Liste. Diese wird jährlich aktualisiert und gibt die „angeblichen“ Fortschritte von autonomen Fahrzeugen in Kalifornien an. Anbei mal die Top-5-Hersteller aus dem letzten Jahr (2018):

Kilometer pro Deaktivierung bzw. Eingriff eines Menschen
Waymo (Tochterunternehmen von Google) 17.951
GM Cruise (u.a. unterstützt von General Motors und Honda) 8.377
Apple 3.227
Zoox (Start-Up aus den USA) 3.095
Nuro (Start-Up aus den USA) 1.654

Auffällig ist in der Liste jedoch leider das Fehlen deutscher Fahrzeughersteller. Laut der Liste ist BMW der beste deutsche Hersteller. Wie erinnern uns an die Liste oben zurück. Nuro, ein US-amerikanisches Start-Up schafft es mit 1.654 Kilometer ohne Eingriff eines Menschen auf den fünften Platz. BMW, einer der größten Autohersteller weltweit, bringt es mit dem 21. Platz auf nur 8 Kilometer. Auf dem drittletzten Platz befindet sich dann Mercedes-Benz mit 2 Kilometern. Volkswagen taucht in der Liste erst gar nicht auf.

Natürlich heißt das nicht gleich, dass die deutschen Unternehmen um Längen weiter hinten liegen müssen. Schließlich kann es sein, dass die deutschen Unternehmen die Fahrzeuge einfach nicht (primär) in Kalifornien testen und daher nicht (vollständig) in der Liste auftauchen bzw. dass sie ihre Forschungsergebnisse nicht veröffentlichen.

Immer mehr Autonomie im Alltag

Denn langsam sieht man auch in der Öffentlichkeit immer mehr autonome Fahrzeuge, wie jene von Volkswagen in Hamburg, den BVG-Bus oder die anderen oben erwähnten auf Buslinien oder auch autonome LKW auf Autobahnen. Es gibt auch noch viele weitere Projekte, welche wir jetzt nicht in diesem Artikel aufgelistet haben. Doch auch die Auswahl zeigt schon, dass die autonome Mobilität immer näher rückt und vom Zug, wo sie schon häufig Praxis ist, weiter auf den Straßenverkehr wandert und immer mehr Bewegungen automatisiert werden. Aber natürlich bleibt abzuwarten, wann aus den einzelnen Projekten große Projekte werden, welche dann zur Massenverbreitung führen.

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