Mit dem Evija hat Lotus ein wahres Traumauto vorgestellt. Die Leistungsdaten lesen sich wie aus einer anderen Welt. Dabei ist Lotus nicht unbedingt für unfassbar viel Leistung bekannt sondern eher für leichte und kompakte Sportwagen. Der Verkauf an den chinesischen Geely-Konzern hat für viel frischen Wind und eine große Portion Mut gesorgt. Doch ist der Evija noch ein waschechter Lotus?


Unfassbar

Der Lotus Evija lässt selbst einen Bugatti Chiron (Verbrenner) mit seinen knapp 1.103 kW alt aussehen und sticht im Autoquartett auch sonst jeden anderen Supersportwagen aus. Noch gibt es nur wage Angaben zu Beschleunigung und Höchstgeschwindigkeit. Man kann aber sicher sein, dass er einige Rekorde brechen wird.

Mit seinen urgewaltigen knapp 1.470 kW und 1.700 Nm Drehmoment sollten Fahrwerte möglich sein, die man sich nicht vorstellen kann. Jedes Rad erhält dabei einen separaten Elektromotor, der jeweils um die 368 kW erzeugt. Somit lässt sich jedes Rad selektiv steuern. Hierdurch ist immer für die beste Leistungsausbeute gesorgt, egal wo oder wann.

© 2019 Lotus Cars

Die Marke von 300 km/h soll in unter 9 Sekunden geknackt sein und die Höchstgeschwindigkeit liegt bei „mehr als“ 320 km/h. Spannend wird, ob der Lotus an die magischen 400km/h heran reichen kann. Damit könnte der Evija endgültig zu einer Legende werden.

Derzeit gibt Lotus den Sprint in 0 auf 100 km/h in unter drei Sekunden an. Wir gehen davon aus, dass der Evija mit den Leistungsdaten eine Beschleunigung von knapp über 2,0 Sekunden schaffen könnte. Der ebenfalls vollelektrische NIO EP9 schafft den prestigeträchtigen Sprint in 2,5 Sekunden und das „nur“ mit 1.000 kW.

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Und das für einen Lotus entscheidende Gewicht? Das ultraleichte Kohlefaser-Monocoque verhilft dem Evija zu einem Gewicht von nur knapp 1,7 Tonnen. Kein wirkliches Leichtgewicht, aber ein NIO EP9 bringt noch etwa 50 kg mehr auf die Waage. Doch viel beeindruckender ist der Vergleich des Leistungsgewichtes. Der EP9 bewegt mit seinen 1.000 kW  (umgerechnet knapp 1.360 PS) rund 1,27 kg pro Pferdestärke, der Evija (umgerechnet knapp 2.000 PS) realisiert nochmals eine andere Dimension. Hier müssen nur noch 0,84 kg pro Pferdestärke bewegt werden.

Eine kurze Atempause

Nach so viel Emotionen und Herzschlag wollen wir eine kurze Pause einlegen und die Alltagswerte ein wenig näher beleuchten. Weil man ja mit so einem Auto auch fahren will, ist die Reichweite nicht ganz unwichtig. Derzeit sollen bis zu 400 km am Stück möglich sein.

Beim Laden kommt der Lotus seinem Hang zum Extremen wieder in Gänze nach. Bis zu 800 kW sollen möglich sein, passende Lademöglichkeiten gibt es heute und in absehbarer Zeit für Autos noch nicht – für LKWs wird ja schon heute an MW-Ladeleistungen gearbeitet. Realistischer sind bei Autos derzeit 100, 120 bzw. 350 kW und dann dauert die Aufladung mit letzterem nur schlanke 18 Minuten. Lange Wartezeiten auf einen vollen Akku sind damit passé.

Der Innenraum nimmt das aufregende Exterieur wieder auf und reduziert es dennoch auf eine simple Einfachheit. Natürlich fällt einem sofort das fast schon viereckige Lenkrad, das dahinter liegende Display sowie die freistehende Mittelkonsole auf. Das digitale Herz des Lotus unterstützt ebenfalls Over-the-Air-Updates, sodass die stolzen Eigentümer immer auf dem neusten Stand bleiben.

Am Dachhimmel gibt es im Übrigen eine Möglichkeit die Flügeltüren per Knopfdruck zu schließen.

© 2019 Lotus Cars

Wer einen haben möchte, …

… der braucht erstmal ein wenig Kleingeld und muss schnell sein. Der Lotus Evija soll ab 2020 nur 130 mal gebaut werden. Für die sofort fällige Anzahlung werden schon mal 250.000 britische Pfund (nach aktuell Wechselkurs knapp 273.000 Euro) in Rechnung gestellt. Für den späteren Kaufpreis sollte man irgendwo bei 1.700.000 britischen Pfund (ca. 1.850.000 Euro) zuzüglich Zölle und Steuern liegen. Damit beträgt der Kaufpreis in Deutschland über 2.000.000 Euro. Auch damit spielt der Lotus in den höchsten Sphären der automobilien Möglichkeiten.

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Und ist es ein waschechter Lotus?

Wenn man sich die derzeitige Modellpalette von Lotus anschaut, fällt der Neuzugang komplett aus dem Rahmen. Höllisch schnell und mit verdammt viel Emotionen kommt der Evija. Doch kompakt und leicht – das eher nicht.

Daher ist es ein Zwiespalt, ob dieses Auto zur Marke Lotus passt. Es passt eher in das Markenportfolio des Geely Konzerns. Keine Frage, der Evija ist in allen belangen Extrem und man spürt ein Fahren-Wollen-Reflex.

Doch von der Marke Lotus hätten wir uns eher was kompakteres und ja auch was simpleres gewünscht. So kompakt wie die aktuelle Elise. Oben offen, ultraleicht, zwei Elektromotoren an der Hinterachse und 368 kW. Dazu ein Kaufpreis,  der um die 100.000 bis 150.000 Euro liegt.

Unter dem Strich spielt es aber keine Rolle, der Evija ist was er ist. Und das ist gut so, ein wahrer Supersportwagen, der für viele ein absolutes Traumauto ist, auch für uns. Damit hat es Lotus an den Anfang der Nahrungskette geschafft. Lotus ist zurück auf der Weltbühne!

Was noch fehlt? Natürlich eine Probefahrt …