Nun kommen auch langsam die deutschen Hersteller mit überzeugenden Elektroautos um die Ecke. Porsche verkauft nun endlich seinen ersten vollelektrischen Sportwagen – den Taycan. Nichts für die Massen sondern eher was zum Träumen. Und dennoch gibt es ein Basismodell. Wir haben uns gefragt, reicht der 4S aus oder bedeutet der Einstieg Verzicht?


Beim Porsche Taycan kann man sich grundsätzlich zwischen drei Grundmodellen entscheiden. Den Einstieg macht der „4S“, danach kommt der „Turbo“ und an der Spitze steht der „Turbo S“. Warum sich Porsche für die bekannten Verbrenner-Attribute entschieden hat, bleibt uns ein wenig rätselhaft. Wirklich passen wollen die Modellbezeichnungen zu dem Elektro-Sportler nicht.

Zwischen der Einstiegsversion und dem Spitzenmodell liegen satte 79.849 € Differenz. Für den Preis bekommt man auch zwei VW ID.3 aber das ist eine andere Sache. Einen Porsche kauft man ja nicht, um einfach nur von A nach B zu kommen. Es geht viel mehr um Emotionen, Spaß und natürlich um den Status.

Für uns stellt sich die Frage, reicht auch ein „4S“ aus? Wir haben den Konfigurator angeschmissen und geschaut, wie unser „Basis-Porsche“ aussehen würde. Budget? Mehr als um die 120.000 € sollten es nicht werden.

Der Einstieg

Die Welt des ersten elektrischen Porsches beginnt bei genau 105.607,00 €. Der „4S“ ist kein wirkliches Sparmodell und bildet einen guten Einstieg.

Fangen wir mit den technischen Daten an. Der Einstiegs-Taycan mobilisiert 320 kW, mit kurzzeitigen Overboost sind sogar bis zu 390 kW möglich. Die magischen 100 km/h erreicht der Taycan in 4,0 Sekunden mit Launch-Control.

© Porsche Deutschland GmbH – Porsche Taycan 4S mit Sonderausstattungen

Die Batteriegröße von brutto 79,2 kWh sorgt für eine Reichweite von 407 km (WLTP). Selbst Porsche gibt an, dass bei einer Langstrecke realistisch 320 km möglich sind. Dieses kleine Manko gleicht die Ladegeschwindigkeit wieder aus. Bei Gleichstrom (DC) und 50 kW dauert die Aufladung von 5 % auf 80 % noch knapp 93 Minuten. Erhöht man die Ladeleistung auf 225 kW, so viel sind maximal möglich, verkürzt sich die Zeit auf nur noch knapp 23 Minuten. Also einmal auf der Raststätte rumtreiben und einen Kaffee trinken und schon fertig.

Auch hier hagelt es schon die ersten Aufpreise. Das Upgrade auf einen 150 kw On-Board-DC-Lader ist Pflicht (416,50 €), da es die Ladezeiten reduziert. Ebenso wie die Wärmepumpe für 416,50 € sowie den Porsche Intelligent Range Manger für 285,60 €. Für ein längeres Ladekabel werden weitere 297,50 € fällig.

Serienausstattung

Die Serienausstattung ist umfangreich, doch an der ein oder anderen Stelle muss man noch ordentlich was investieren, was eigentlich inkludiert sein sollte. Der Sport-Modus inkl. Launch Control, die adaptive Luftfederung, 19 Zoll-Räder (Aero Räder), viel Aluminium, LED-Beleuchtung rund herum, 2-Zonen-Klimaanlage, elektrische Komfortsitze, Parkpiepser, 16,8 Zoll Curved-Display, Online-Navigation etc. sind im Kaufpreis inkludiert. Ebenso wie die Teillederausstattung und die Uni-Lackierung. Ja, die Metallic-Lackierung und Vollleder kosten wieder mal Aufpreis.

Unsere Auswahl beim Exterieur

Und genau hier fängt man sich an zu fragen, warum es im Preis nur zwei Farben gibt. Die Auswahl beschränkt sich auf Weiß und Schwarz. Und weil es noch mehr als Schwarz und Weiß auf dieser Welt gibt, entscheiden wir uns für Enzianblaumetallic für 1.094,80 € Aufpreis. Dazu passen die 20-Zoll-Räder vom Turbo für weitere 2.153,90 €.

© Porsche Deutschland GmbH – Porsche Taycan 4S mit Sonderausstattungen

Und weil man nicht an der Sicherheit sparen sollte, entscheiden wir uns noch für das LED-Matrix-Licht inkl. Kurvenlicht für weitere 1.725,50 €.

Als letzte weitere Option im Außenbereich kommen noch die elektrisch anklappbaren Außenspiegel für 297,50 € dazu.

Porsche bietet noch unzählige weitere Optionen an. Wie zum Beispiel das Sport-Design-Paket lackiert in Schwarz für 4.986,10 €. Sowas brauchen wir nicht und gehen lieber direkt weiter zum Interieur.

Unsere Auswahl beim Interieur

Bei einem Fahrzeug was über 100.000 € kostet, sollte eine Lederausstattung inkludiert sein. Doch Porsche packt in die Serienausstattung nur ein Teilleder-Paket in vollkommenen Schwarz. Die gähnende Langeweile schlecht hin.

Daher muss man auch hierzu zur Sonderausstattung greifen. Für saftige 4.063,85 € gibt es die etwas ausgefallenere Version in Leder Schwarz-Rot. Die Sitzheizung vorne kostet weitere 434,35 €. Das Ablagenpaket hilft im Alltag und kostet nur 238,00 €.

© Porsche Deutschland GmbH – Porsche Taycan 4S mit Sonderausstattungen

Da der Taycan eher unübersichtllich ist, sollte man das nächste Kreuz gleich bei dem ParkAssistent inkl. Surround View (für einen 360-Grad-Blick) machen.

Dazu kommt noch der erweitere Abstandsregeltempostat, den man leider nicht ohne Lenkradheizung bestellen kann. Somit kostet unsere letzte Option 2.017,05 €.

Unter dem Strich steht nun eine Rechnung von 120.523,65 €. Ein wenig über dem Budget, aber noch gerade so im Rahmen.

Eine Überlegung möchten wir noch mit auf dem Weg geben. Porsche bietet für den 4S die Performancebatterie Plus an. Für 6.521,20 € kriegt man 30 kW mehr Leistung sowie 56 km mehr Reichweite (WLTP). Die Ladeleistung steigt auf 270 kw an. Die Reichweite liegt damit leicht über dem Turbo. Für Vielfahrer eine durchaus interessante Option.

Ein Blick über den Tellerrand

Darf es etwas mehr sein? Ein kurzer Blick noch auf die nächsthöhere Variante. Der Einstieg beginnt beim Turbo bei 152.136,00 €. Also exakt 31.612,35 € mehr als in unsere Basis-Konfiguration. Doch lohnt sich ein Aufstieg?

Es gibt 120 kW mehr Leistung und die Batteriegröße wächst auf 93,4 kWh an. Die WLTP-Reichweite beträgt nun 450 km oder auf der Langstrecke 370 km. Die Beschleunigung auf 100 km/h dauert 0,8 Sekunden weniger. Durch eine erhöhte Ladeleistung verändert sich gegenüber dem 4S nicht die Ladedauer, obwohl der Akku größer ist.

© Porsche Deutschland GmbH – Porsche Taycan Turbo mit Sonderausstattungen

Die Serienausstattung ist ein wenig üppiger und viel kleine Annehmlichkeiten sind schon inkludiert. Dennoch muss man eher mit 160.000 € rechnen und dann hat man noch immer nicht die Speerspitze erreicht.

Fazit

Klar, ein Porsche kauft man sich bestimt nicht, um Geld zu sparen. Doch die Aufpreise zwischen den einzelnen Varianten sind nicht gerade unerheblich. Vor allem weil Porsche dann auch noch für viele Kleinigkeiten einen Aufpreis berechnet.

In unserem „4S“ stecken insgesamt 14.916,65 € für die Sonderausstattung. Doch es bleibt noch immer eine Differenz zum Turbo in Höhe von 31.612,35 €. Wenn man den Porsche Taycan als Alltagswagen bewegt, reicht das Einstiegsmodell vollkommen aus. Für knapp 7.000 € erhält man sogar ein bisschen mehr Reichweite als beim Turbo und spart immer noch knapp 25.000 €.

Wer Leistung ohne Ende will ist beim „4S“ an der falschen Adresse. Wer einen „bezahlbaren“ Taycan für den Alltag haben möchte, ist beim „4S“ genau richtig. Den Aufpreis zum Turbo steckt man dann lieber in die vielen Sonder-Annehmlichkeiten, die Porsche anbietet.

Für den Rennstrecken-Einsatz sollte man jedoch schon den Turbo nehmen. Da machen 120 kW mehr Leistung einen gewaltigen Unterschied aus.

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