Als Neueinsteiger in der Elektromobilität kommt man häufig sehr schnell mit den Ladesystemen bzw. Steckern durcheinander. Genau aus diesem Grund wollen wir euch im Folgenden einen kompakten Überblick geben. Für einen ausführlichen und detaillierten Einblick schaut gerne in das Video. Ansonsten haben wir für euch auch im Folgenden nochmal alle relevanten Informationen zusammengefasst.


SchuKo

Maximale (derzeitige) Leistung von 3,7 kW
Vor allem im Haushalt, aber auch an Ladesäulen auf öffentlichem Grund. Jedoch sind diese vor allem für Roller oder Kleinstelektrofahrzeuge gedacht und daher nur gering vertreten.

Das in Deutschland vermutlich bekannteste Steckersystem ist „SchuKo“. Das Akronym steht für Schutz-Kontakt und ist umgangssprachlich auch als Haushaltssteckdose bekannt. Ein Elektroauto an der Haushaltssteckdose zu laden stellt nur eine Notlösung dar. Bitte vergewissert euch, dass der Anschluss ordnungsgemäß ausgeführt ist und eine Schutzsicherung vorhanden ist. Im Idealfall sollte eine eigene abgesicherte Steckdose verwendet werden. Im (absoluten) Ausnahmefall kann es zu Bränden kommen. Seid also bitte vorsichtig! Aber solltet ihr dennoch über SchuKo laden wollen, kann man dies mit Ladekabeln mit ICCB (In-Cable-Control-Box). Diese sind jedoch nicht auf dauerhaft hohe Lasten ausgelegt und können leicht überhitzen. Dies bedeutet, dass das Elektroauto aufgrund des Flaschenhalses der Leistung des SchuKo-Anschlusses nur äußerst langsam geladen werden kann. Nimmt man z.B. ein Tesla Model 3 mit einem Akku mit einer Größe von knapp 55 kWh (Reichweite von ca. 400 km) ergibt dies rechnerisch von 20 auf 80 Prozent eine Ladezeit von ca. 9 Stunden. Doch neben der Haushaltssteckdose kommt die SchuKo-Steckdose auch in einer geringen Anzahl an öffentlichen Ladesäulen vor. Hier ist sie jedoch vor allem für Roller oder Kleinstelektrofahrzeuge gedacht, da diese häufig nur mit einem SchuKo-Kabel geladen werden können.

Typ 2

Maximale (derzeitige) Leistung von 43,5 kW
Nur an Ladesäulen. Das in der EU am weitesten verbreitete Ladesystem und somit mit jedem Elektroauto kompatibel.

Typ 2 heißt genau genommen „EN 62196 Typ 2“, wird aber auch als „IEC Typ 2“ bezeichnet. Entwickelt wurde das Typ-2-Stecker-Ladesystem vom Steckerhersteller Mennekes zusammen mit dem RWE und Daimler. Daher ist auch der Name Mennekes-Stecker üblich. Als Nachfolger von Typ 1 ist Typ 2 der wohl am weitesten verbreitete Steckertyp in Europa. Seit Januar 2013 ist dies der Standart-Stecker, welcher von der EU festgelegt worden ist. Dies führte dazu, dass jedes Elektroauto in der EU mit Typ 2 geladen werden kann. Für den Nutzer ist eine Seite des Steckers stark abgeflacht, sodass verdrehtes Ansetzen mechanisch ausgeschlossen ist. Er besitzt sieben runde Kontaktstifte – zwei Kontaktstifte für die Kommunikation zum Elektroauto, eine Erdung und vier weitere für die Leistungsübertragung. Im Gegensatz zu SchuKo kann hier mit einer deutlich höheren Leistung geladen werden. Meistverbreitet sind 22 kW, aber auch 7 bzw. 7,3 kW und 11 kW. Die maximale Leistung, welche derzeit verbreitet ist, sind 43,5 kW. Das Tesla Model 3 mit einem Akku von 55 kWh (Reichweite von ca. 400 km) kann man somit von 20 auf 80 Prozent rechnerisch in knapp sechs Stunden bis hin zu einer Stunde vollladen.

CCS

Maximale (derzeitige) Leistung von 350 kW
Nur an Ladesäulen, welche größtenteils auf Raststätten, aber zum Teil auch in den Städten stehen. Das in Europa und Amerika verbreitete System zum Schnellladen.

CCS ist auch unter dem Namen „Combined Charging System“ sowie „Combo 2“ bekannt. Das europäische CCS basiert auf dem Typ-2-Steckersystem, das mit zwei zusätzlichen Gleichstrom-Steckerpolen erweitert worden ist. CCS wurde in der EU als Standardsteckverbindungen bei Ladeleistungen über 22 kW für Gleichstrom festgelegt. Beim CCS ist das Ladegerät für Gleichstrom extern in der Ladesäule eingebaut. Im Fahrzeug ist – je nach Hersteller – oft nur ein Bordlader mit geringer Leistung eingebaut. Aktuell sind 50 kW üblich, erste 100, 150 und 350 kW Lader sind aber schon gebaut worden, welche auch schon verwendet werden können. Hier fehlt es bis dato nur an der Unterstützung der Fahrzeuge selbst. Einzig unterstützt der Porsche Taycan 270 kW – nicht jedoch 350 kW. Zudem existieren auch schon funktionierende Ladestation-Prototypen von bis zu 450 kW, welche in den kommenden Jahren in die Produktion gehen. Alle europäischen und die meisten amerikanischen Fahrzeuge verfügen über CCS. Hier muss nur aufgepasst werden, dass bei manchen Modellen die CCS-Unterstützung seperat dazugekauft werden muss. Den BMW i3(s) mit einem Akku von 37,9 kWh (Reichweite von ca. 300 km) kann man somit je nach Leistung tehoretisch in teilweise sechs Minuten von 20 auf 80 Prozent laden.

CHAdeMO

Maximale (derzeitige) Leistung von 50 kW
Nur an Ladesäulen, welche größtenteils auf Raststätten, aber zum Teil auch in den Städten stehen. Das in Asien (vor allem Japan) verbreitete System zum Schnellladen.

CHAdeMO wurde in Japan entwickelt. Der Name leitet sich vom japanischen Satz „Ocha demo ikaga desuka“ („Wie wärs mit einer Tasse Tee?“) ab, was so viel bedeuten soll wie „Kurze Ladezeit“. Das System basiert auf Gleichspannung. Die größte Verbreitung haben CHAdeMO-Ladesäulen mit einer Ladeleistung bis 50 kW. Der Hauptkonkurrent vom japanischen CHAdeMO ist das von europäischen und US-amerikanischen Herstellern favorisierte Ladesystem CCS. Mitglieder des CHAdeMO-Industriekonsortiums sind u.a. Nissan, Mitsubishi, Fuji Heavy Industries (das Unternehmen der Marke Subaru), Hitachi, Honda Motor, Panasonic und TOYOTA. Einer der größten Unterschiede zum europäischen Konkurrenten ist, dass CHAdeMO rückspeisefähig ist und somit Spitzenlasten abdeckbar sind. Verbreitet sind Ladesäulen mit bis zu 50 kW Leistung. Derzeit werden auch Ladesäulen mit einer Leistung von bis zu 200 kW ausgerollt. Im Laufen diesen Jahres sollen zudem Ladesäulen mit bis zu 400 kW Maximalleistung gebaut werden. Wie flächenddeckend diese aber in Europa gebaut werden, bleibt offen –  da hier ja die Verordnung der EU bzgl. Typ 2 und CCS greift. CHAdeMO ist vor allem in japanischen Fahrzeugen verbaut (z.B. Nissan Leaf), aber auch in europäischen/amerikanischen Fahrzeugen, welche in Japan verkauft werden (z.B. BMW i3(s), VW e-up!, oder auch VW e-Golf). Den BMW i3(s) mit einem Akku von 37,9 kWh (Reichweite von ca. 300 km) kann man somit in 45 Minuten rechnerisch von 0 auf 100 Prozent vollladen.

Tesla Supercharger

Maximale (derzeitige) Leistung von 250 kW
Nur an Ladesäulen, welche von Tesla selbst angeboten werden. Das Netz erstreckt sich europaweit.

Der Tesla Supercharger hat in Europa eine andere Form als den USA. Hier wurde er an das europäische Typ 2 angepasst, allerdings so verändert, dass „Nicht-Tesla-Fahrzeuge“ diese Ladestationen nicht nutzen können. Tesla-Fahrzeuge wiederum können mit Typ 2 laden. Der Supercharger wurde, wie der Name vermuten lässt, von Tesla entwickelt und liefert inzwischen mit der neusten Supercharger-Generation Ladeleistungen mit bis zu 250 kW. Das Tesla Model 3 kann mit 250 kW theoretisch in knapp 14 Minuten von 0 auf 100 Prozent aufgeladen werden. Wie alle Werte in diesem Artikel sind diese auch ohne die Berücksichtigung von Ladeverlusten. Jedoch gibt Tesla an, dass innerhalb der ersten fünf Minuten knapp 120 Kilometer nachgeladen werden können.

 

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